Ein Staat für ein ganzes Schuljahr: HBG gründet HaBeGistan

Verfassung, Flagge, Hymne und eigene Währung: Beim Schulfest des Hans-Baldung-Gymnasiums fiel mit der Staatsgründung der Startschuss für ein außergewöhnliches Schulprojekt.

Plötzlich wurde heruntergezählt: Zehn, neun, acht … Auf dem Schulfest des Hans-Baldung-Gymnasiums fieberten am Freitag Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, Eltern und Gäste gemeinsam dem entscheidenden Moment entgegen. Bei null war es so weit: Das HBG hatte seinen eigenen Staat gegründet. HaBeGistan war geboren.

Was zunächst wie eine ungewöhnliche Idee klang, wurde mit dem offiziellen Staatsakt Wirklichkeit: Am HBG startete das aufwendige Projekt „Schule als Staat“. Ein ganzes Schuljahr lang wird die Schule nun zu einem eigenen demokratischen Gemeinwesen – mit Verfassung, Parlament, Präsident, Parteien, Unternehmen, eigener Währung, Gerichten, Medien und vielem mehr. Im Sommer 2027 bilden die Projekttage den Höhepunkt: Dann wird HaBeGistan für mehrere Tage tatsächlich betrieben.

25 Schüler/innen schrieben die Grundlage

Dass dieser Staat überhaupt gegründet werden konnte, hatte eine besondere Vorgeschichte. 25 gewählte Vertreter aus allen Klassen hatten in den vergangenen Wochen die Grundlage dafür erarbeitet. Sie diskutierten über die Verfassung, stritten über einzelne Regelungen und verabschiedeten schließlich gemeinsam das Ergebnis.

Zwei von ihnen, Romy und Levi, berichteten beim Staatsakt von ihren Erfahrungen. Besonders bemerkenswert war dabei die Zusammenarbeit über die Altersgrenzen hinweg: Klassenvertreter aus ganz unterschiedlichen Jahrgangsstufen hatten gemeinsam die Regeln entwickelt, nach denen ihr Staat künftig funktionieren soll. Die erste gedruckte Ausgabe der Verfassung mit den Unterschriften aller Verfassungsvertreter/innen lag beim Staatsakt zur Einsicht aus.

Begleitet wurde der gesamte Prozess von den beiden Projektleitern und Gemeinschaftskundelehrkräften Dorothee Clerico und Dominik Steinestel. Gemeinsam mit vielen weiteren Beteiligten hatten sie die Vorbereitung der Staatsgründung koordiniert und die Schüler/innen durch die einzelnen Phasen des Verfassungsprozesses begleitet.

Eine Flagge aus zwei Schülerentwürfen

Auch das äußere Erscheinungsbild des neuen Staates war eine Gemeinschaftsarbeit. Die Flagge verband Entwürfe von Elias Färber aus der 6. Klasse und Alisa Lesechko aus der 10. Klasse. Beim Staatsakt wurde sie erstmals öffentlich gehisst.

Kurz darauf folgte die nächste Enthüllung: der Name. Bis zuletzt war geheim geblieben, welchen Vorschlag die Schülerschaft ausgewählt hatte. Dann wurde der Umschlag geöffnet und der Name verkündet: HaBeGistan.

Eine Hymne aus der 6. Klasse

Für einen weiteren besonderen Moment sorgte Laurin Theinert. Der zwölfjährige HBG-Schüler hatte die Hymne des neuen Staates komponiert. Unter der Leitung von Musiklehrerin Stefanie Geiger nahm der HBG-Chor das Stück anschließend im Tonstudio Jam'in professionell auf.

Beim Staatsakt erzählte Laurin, wie er an die ungewöhnliche Aufgabe herangegangen war. Anschließend erklang die Hymne zum ersten Mal vor dem Publikum und sorgte für einen Gänsehaut-Moment.

„Jetzt fehlt nur noch die offizielle Staatsgründung“

Was zuletzt noch fehlte, war die eigentliche Gründung. Schulleiter Veit Botsch trat nach vorne und erklärte HaBeGistan nach dem Countdown offiziell für gegründet. Die Vorfreude war überall spürbar. Denn der Staatsakt war nicht das Ziel, sondern erst der Anfang.

Der eigentliche Staat beginnt erst jetzt

Mit der Gründung ist die erste große Etappe des Projekts abgeschlossen. Nun wartet auf die Schulgemeinschaft ein ganzes Jahr voller neuer Aufgaben. In den kommenden Monaten sollen Parteien entstehen, Wahlprogramme entwickelt und Wahlen abgehalten werden. Ein Parlament wird seine Arbeit aufnehmen, Unternehmen werden gegründet und wirtschaftliche Entscheidungen getroffen.

Die Schüler/innen gestalten dabei möglichst viel selbst und erleben Demokratie nicht nur im Unterricht, sondern in der Praxis. So soll aus der feierlichen Staatsgründung Schritt für Schritt ein funktionierendes Gemeinwesen werden – bis HaBeGistan im Sommer 2027 für mehrere Tage tatsächlich seinen Betrieb aufnimmt.