Der Schulförderverein lud zum zweiten Teil der Veranstaltungsreihe "Lieblingsbücher am HBG" ein: Comedy-Legende Michael Gaedt stellte Mark Twains "Bummel durch Deutschland" vor und begeisterte das Publikum, auch wenn das literarische Werk gar nicht unbedingt im Vordergrund stand. Im Interview zu seinen Lesegewohnheiten verriet Gaedt, dass er praktisch "immer und überall" lese und dabei dann gerne auch noch esse. Der Beweis: sein praller Bauch, den er stolz den Zuschauern unter großem Gelächter präsentierte. Dass es aber auch sehr ernst zuging, wurde deutlich, als er über seine aktuelle Lektüre sprach, nämlich "Judenhass" von Michel Friedman, das er vor allem allen Schülern empfehlen könne, um den derzeitigen Antisemitismus einordnen zu können. Auch schwärmte er von der Autobiografie Stefan Heyms und der Verfilmung von "Clockwork Orange". Als Schüler hingegen habe er Droste-Hülshoffs "Judenbuche" überhaupt nichts abgewinnen können. Überhaupt sprach er gerne über seine wenig erfolgreiche Schulzeit, in der er zwar Lehrer gemocht habe, nicht aber den Unterrichtsstoff. Die Folge: der gebürtige Schwäbisch Gmünder blieb viermal sitzen und hat etliche Schulen besucht. Später, so Gaedt, habe er es genossen, den ganzen Schulstoff mit seiner Tochter nachzulernen, verriet er den beiden Moderatorinnen, Lea Schreib und Julia von der Grinten.
Anschließend kam ihm seine Schauspielerfahrung zugute: er las zwei Textstellen aus Mark Twains Reiseerzählung, von der er eines Tages ein Exemplar in seinem Hauseingang gefunden habe - und weil er als Kind Twains "Huckleberry Finn" so geliebt habe, las er dieses Büchlein und war begeistert von Twains Humor und dessen zahlreichen Abschweifungen. Und wie der amerikanische Meisterautor schweifte dann auch Gaedt ab, erzählte von seinen Reisen, von Jörg Rathgeb und Yves Saint Lauren, seiner ehemaligen Rolex, die heute Millionen wert wäre, von seinem Tourleben mit der "Kleinen Tierschau" und seinen Dreharbeiten zur "Soko Stuttgart". Und kurz vor Schluss griff er sogar noch zur Gitarre und spielte schelmisch grinsend ein (nicht ganz jugendfreies) Lied aus den USA der 40er Jahre - Mark Twain hätte sich sicher nicht nur dabei bestens amüsiert. Unter großem Applaus verließ er die Bühne, machte aber zuvor noch auf seine neue Show im Stuttgarter Theaterhaus aufmerksam: "Das große Scheppern" - nur echt mit gelber Brille und pinker Jacke!
Florian Hinderer
