Letzten Freitag besuchte der Kunst-LK das Weißenhofmuseum am Killesberg in Stuttgart.
Der Architekt Le Corbusier gehört zum aktuellen Sternchenthema „Wohnkonzepte und Gebäudestrukturen“.
Wir bekamen eine ausführliche kunsthistorische Führung durch das Doppelhaus von Le Corbusier und eine Führung durch die Weißenhofsiedlung.
1927 veranstaltete der Deutsche Werkbund in Stuttgart die Ausstellung „Die Wohnung“. Damals fehlten in allen Großstädten bezahlbare, gesunde und zeitgemäße Wohnungen. Deshalb wurden 17 Architekten eingeladen, um eine Mustersiedlung am Weißenhof zu bauen. Die Architekten zählen bis heute zu den berühmtesten Vertretern der Architekturmoderne: Le Corbusier, Walter Gropius, Mies van der Rohe, Mart Stam, Hans Scharoun … Den Architekten wurden nur wenige Vorgaben wie das Flachdach, die Art und die Größe ihrer Häuser auferlegt. Ansonsten hatten sie weitgehend freie Hand. Die Mustersiedlung am Weißenhof umfasste 33 Häuser mitsamt ihrer Einrichtung mit modernen Möbeln. Von Mitte Juli bis Ende Oktober 1927 konnte sie besichtigt werden, es kamen eine halbe Million Besucher und die internationale Presse berichtete.
Le Corbusier zeigt mit seinem Doppelhaus ein wandelbares Haus. Der große Wohnraum im 1. Obergeschoss besitzt tagsüber die Funktion eines Wohnzimmers, nachts kann es in ein Schlafzimmer verwandelt werden.
Le Corbusiers Idee bezieht sich auf einen Reisezug mit Schlafwagen-Abteilen. So besitzt auch der rückwärtige Flur mit 60 Zentimetern genau die Breite eines damaligen Zugkorridors. Le Corbusier setzt im Doppelhaus seine „Fünf Punkte für eine neue Architektur“ um: Pilotis, Flachdach / Dachgarten, freier Grundriss, Langfenster, freie Fassadengestaltung.
Es war spannend, das Gebäude durchschreiten und alles im Original erleben zu dürfen. Vom Dachgarten aus hat man einen phänomenalen Blick über ganz Stuttgart.
(Stephanie Gustai)
